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Perfekte Rallye

Submitted by on Mittwoch, 28 September 2011No Comment

Tolle Radtouren erleben, die Freundschaft zu unserem französischen Partnerverein CSC Dijon pflegen und die Strecke der „Rallye des vendanges“ ohne Fehler bewältigen, das sind grob gesprochen die drei Ziele der Frankreich-Expedition, die einige unserer Freizeitsportler seit Jahren zum Ende der Saison unternehmen. Und was soll man sagen: In diesem Jahr wurden die Ziele wurden perfekt umgesetzt. Was insbesondere mit Blick auf das umwegfreie Bewältigen des Parcours bei der Rallye des vendanges an ein reines Wunder grenzt, denn im Verirren sind wir Meister. Gut – letztes Jahr war es aber auch schwer: Heftiger Regen am Vortag hatte die Richtungspfeile – sie werden in Frankreich auf die Fahrbahn gesprüht – weggewaschen und wir wählten mit sicherem Instinkt öfter mal die falsche Abzweigung. Hinzu kommt, dass die Orientierung zum Ende der Rallye hin schwieriger wird, weil: Schon beim Drei-Gänge-Menü zu Mittag wird Rotwein serviert und die letzte Kontrollstelle ist mit einer Weinprobe kombiniert. Auf meine Nachfrage hin, mit wie viel Alkohol man in Frankreich am Verkehr noch teilnehmen dürfe, erzählte mir Gilles, ein ehemaliger Polizist, mit fester Stimme etwas von „zéro tolérance“, aber der dabei stehende Alt-Präsident von CSC, Michel Blet, deutete kurz auf die 0,4 Liter-Marke seines Glases und ergänzte unwidersprochen, bis dahin spreche man in der Bourgogne von „zéro“. Und so nahm denn ein wundervolles Wochenende in der burgundischen Hauptstadt seinen Lauf.

Man sollte meinen, es sei immer dasselbe und eine so weite Fahrt würde sich nicht lohnen. Aber – liebe Daheimgebliebene – weit gefehlt: Die drei Tage in Frankreich sind jedesmal unvergesslich und wertvoll. Dass uns der Wettergott in diesem Jahr mehr als hold war, kommt qualitativ noch hinzu. So konnten wir nach einem guten Abendessen und der Übernachtung in der Nähe von Vittel am nächsten Morgen eine unglaublich schöne Tour durch die Umgebung der Orte Vittel und Contrexéville machen, die durch ihre Heilquellen weltweit bekannt sind. Die Tour führte durch ein Landschaft wie von einem englischen Landschaftsarchitekten gestaltet. Und stundenlang begegenete man keiner Menschenseele, sondern nur den Kühen, Pferden und Eseln auf den Wiesen. Ein Augenschmaus und eine Generalreinigung für unsere alltagsgestressten Gehirne.

Nachmittags setzten wir unsere Fahrt nach Dijon fort, checkten in unserem Hotel ein und machten uns auf zur Anmeldung ins Clubheim von CSC. Dort trafen wir auch gleich viele wohlbekannte und freundliche Gesichter. Henri, Michel, Gilles, Jean-Pierre, Joelle, Philippe… man kennt sich und ist sich in gegenseitiger Sympathie herzlich verbunden. Am Abend folgten wir der Einladung von Michel und seiner Frau Danielle, die uns mit ihren Kochkünsten verwöhnte. Früh am nächsten Morgen ging es aus den Federn und wir hatten das Glück, dass in unserem Hotel auch eine Gruppe von Radlern aus La Londe an der Côte d´Azur logierte, die am Vorabend bereits den Weg gesucht hatten, auf dem sie auch uns quer durch die seit Jahren von Straßenbahnbaustellen verbarrikadierte Innenstadt der burgundischen Metropole zum Startpunkt bugsierten. Die Rallye führte auf neuer Strecke zunächst durch die Weinberge und zweigte dann in die Berge ab. Das tolle Wetter hatte eine große Zahl von Radlern angezogen und so kämpften wir uns immer wieder durch dichte Pulks. Nach der Steigung hatte sich allerdings die Spreu vom Weizen weitgehend getrennt und wir konnten entspannt die Strecke genießen. Dank unserer guten Kontakte zum „Personal“ bekamen wir an den Verpflegungstellen auch mal das eine oder andere Schlückchen Wein ab, so dass wir uns – rechnet man den Wein zum Mittagessen, die drei Wein zur Weinprobe und den obligatorischen Kir nach der Rückkehr zum Clubheim hinzu – zügig der oben beschriebenen spezifisch-burgundischen „zéro-tolérance“-Grenze näherten. Zum Glück klappte der Lift mit unseren Freunden des Velo-Club la Londe auch auf dem Rückweg zum Hotel, so dass wir nach der ersehnten Dusche entspannt unsere herrliche gemeinsame 130 Kilometer-Runde in einer Pizzeria in der Innenstadt ausklingen lassen konnten.

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