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Orient goes Breisgau

Submitted by on Freitag, 1 Juli 2011No Comment

Die Orient-Tour führte drei Frauen und elf Männer in diesem Jahr in den Breisgau. Hier der Tour-Bericht von Jo Friedsam.

Samstag 18. Juni – Einrollen
Zum ersten Mal seit Monaten laden wir meinem Auto wieder den schweren Dachgarten des Team Rheinhessen auf und klemmen bei leichten Regen unsere (Anja, Rudi und Jo) Räder in die Schnellspanner. Zweieinhalb Stunden später meldet unser Navi: „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“, nämlich das Café Hipp im Ortsteil Oberschwanden, Gemeinde Freiamt im Breisgau. Der größte Teil der orientalischen Radlerinnen und Radler ist bereits da und in den Test von Kaffee und Kuchen vertieft. Auch mal probieren: Kirschstreusel und Milchkaffee – super! Da freut man sich schon auf die Rückkehr von den Touren der nächsten Tage. A propos: Einrollen wollen wir uns ja auch noch. Also geht es bald schon bei heftigem Rückenwind bergab Richtung Rheinebene. Denn Oberschwanden liegt auf etwa 450 Meter Höhe. In Lahr erwischt uns ein Schauer, den wir plaudernd in einem Hauseingang abwarten. Dann fahren wir einer großen Schleife zurück. Je näher wir unserem Quartier kommen, umso schöner wird die Umgebung. Die letzten 20 Kilometer sind eine Traumstrecke durch den Naturpark Nordschwarzwald. Die Sonne strahlt auf tiefgrüne Wiesen und ausgedehnte Wälder. Der Anstieg erweist sich als ebenso moderat wie der Gegenwind. Bald haben wir die Hochfläche erreicht und brausen kurvenreich bei kaum merklichem Gefälle unserem „Café-Tour“ entgegen. Inzwischen sind auch Ulla und Jimi eingetroffen und schließlich erreicht uns auch Bardo, der die Anfahrt fast schon traditionell mit dem Rad hinter sich gebracht hat. Nach dem Abendessen im Gasthaus „Zur Sonne“ (jedes zweite Gasthaus in der Gegend trägt übrigens diesen Namen) geht es zügig in die Heia.

Sonntag, 19 Juni – Erste Wadenbeißer
Unangenehme Überraschung bei Aufwachen: Die Wolken hängen auf den Wiesen, ein heftiger Wind treibt den Regen über die Gipfel des Nordschwarzwaldes. Nach fürstlichem Frühstücksbuffet entschließen wir uns zu einer Wanderung in den nahen Wald. Jimi hat einen Rundweg über 10 Km rausgesucht. Wir folgen mehr der Orient-Tradition als dem Pfad und verlaufen uns ein wenig. So werden aus 10 am Ende 15 – allerdings herrliche – Kilometer. Nach unserer Rückkehr ins „Café Tour“ stärken wir uns mit Kaffee und Kuchen und schwingen uns, da das Wetterradar nur noch geringen Regenwahrscheinlichkeit aufweist, um 16.00 Uhr zu einer Ausfahrt aufs Velo. Der Weg ins obere Schuttertal erweist sich als echter Wadenbeißer. Belohnt werden wir mit einem herrlichen Panorama und einer viele Kilometer langen überwiegend sanften Abfahrt ins Elztal, die unsere Kilometerzähler tüchtig in Schwung bringt. Nach einer stark frequentierten Bundesstraße weist uns Gustav-Gerald G.G. Armin schon bald wieder auf ein kleines Sträßchen, das sich malerisch durch ein enges Tal schlängelt, bis ein Schild eine 17 %ige Steigung ankündigt. Und das ist – wie sich kurz darauf herausstellt – eher niedrig gegriffen. Immer wieder zeigt das Sträßchen in den Himmel und wir ziehen mit knapp werden Luft am Lenker. Endlich haben wir eine Art Passhöhe erreicht, verschnaufen kurz und genießen eine wunderschöne Abfahrt durch ein wild, romantisches Tal. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Endspurt ins Café Tour.

Montag, 20 Juni  – Flach und entspannt
Toll ist das Wetter immer noch nicht, aber die Tagesprognosen sind gut. Also treffen wir eine sehr gute Entscheidung – wie sich später herausstellt – und folgen einem Routenvorschlag aus der „Tour“. Es geht durch die Rheinebene, wir streifen auf flacher Strecke den rebenreichen Kaiserstuhl. Majestätisch grüßt schon von weitem der Dom von Breisach, der wie die ganze Altstadt auf einem Felsenplateau errichtet ist. Leider haben wir keine Zeit, zu einer Stadtbesichtigung, ebenso wenig  wie für eine Rast in Burkheim, wobei wir die Fahrt über das Pflaster des wunderschönen mittelalterlichen Stadtzentrums sehr genießen. In Weisweier suchen wir Schutz vor einem Schauer und finden ihn in einem schönen Anwesen mit Hofladen und Café/Restaurant. Im modernen, wintergarten-ähnlichen Hof genießen wir die leckeren selbstgemachten Kuchen und Torten des Hauses. Kaum sind wir weiter gefahren, sehen wir am Horizont schon die zum Teil riesigen Attraktionen des Europa-Parks Rust. Die Züge der Achterbahnen drehen ihre Loopings, das römische Colosseum ist ebenso nachgebaut wie ein italienischer Renaissance-Marktplatz oder eine mittelalterliche Burg. Kurz vor dem Europapark schwenkt unsere bisher flache Fahrtroute Richtung Berge. Aber der Anstieg ist sehr milde und wunderbar zu fahren. Schließlich haben wir den Scheitelpunkt erreicht und genießen die letzten zehn Kilometer, die wir bereits von unserer Samstagstour kennen. Fast genau 100 Km stehen am Ende auf dem Tacho einer Tour, die sich sehr entspannt fahren ließ.

Dienstag, 21. Juni – Königsetappe, Teil 1
Johannistag – der längste Tag des Jahres – und endlich spielt das Wetter mit. Die Sonne strahlt und der „Königsetappe“ über den Kandel steht nichts im Wege. Allerdings muss Ulla sich wegen einer Halsentzündung abmelden. Nach dem Frühstück wird Gustav-Gerald G.G. Armin bemüht, der die von Bardo und Andreas ausgeklügelte Route gnädig annimmt und lädt. Die Strecke hat es auch vor dem Kandel schon in sich. Es geht über zwei kleinere Berge (für rheinhessische Verhältnis aber immer noch 1. Kategorie), die wir in moderatem Tempo fahren, um noch genug Körner für die 11 Kilometer lange und bis zu 15 Prozent steile Straße auf den Kandel zu haben. Jeder sucht seinen Rhythmus und so hat sich unsere Gruppe schon bald über die Steigung verteilt. Vorne entwickelt sich ein informeller Wettstreit ums Bergtrikot zwischen Andreas, Bardo, Jimi und Holger, den am Ende Jimi für sich entscheidet. Allerdings gibt es einen ominösen Vorfall im Endspurt, wobei immer wieder ein Umfaller („Wie ein Maikäfer“) von Holger erwähnt wird. Eine zweifelhafte Rolle spielte dabei offenbar Jimi´s Regenjacke, die fortan nur noch „Jimi´s Killerjacket“ genannt wird. Wenn man der näheren Erläuterung der Beteiligten Glauben schenken darf, wurde Holger offenbar Opfer seiner rührenden Höflichkeit. Wie auch immer: Jimi wird „Kandel-König“ und Rudi viel bewundert, weil auch er die respektheischende Steigung bewältigt. Auf dem Gipfel hat man einen atemberaubenden Blick in die Rheinebene. Die Abfahrt ins wunderschöne Glottertal genießen wir in vollen Zügen. Allerdings will sie mit gebührender Vorsicht bewältigt werden. Nachdem wir 25 Kilometer mehr oder minder vom Gefälle profitierten, schiebt uns ein kräftiger Rückwind den Rest der Strecke bis zum Wiederaufstieg zu unserem Quartier. Rund einen Kilometer vorher stoppen wir im Café Duft, auch das ein „Tour-Tipp“, den wir hiermit bekräftigen dürfen: Die Eisbecher sind äußerst lecker und die Kuchenstücke gigantisch.

Mittwoch, 22. Juni – Texaspass
Für heute ist schlechtes Wetter angekündigt. Allerdings zeigt das Regenradar, dass die heftigen Gewitter erst nach zwölf beginnen werden. Also haben wir unsere Startzeit auf 9.15 Uhr vorverlegt und eine Runde von 50 bis 60 Kilometern an den Texaspass eingeplant. Guido erscheint zur allgemeinen Erheiterung in Oldie-Radausrüstung mit Leder-Helm und –Schuhen sowie antiken Brügelmann-Hosen als Brägelfreund „alter Hans“ zum Frühstück und deutet uns auf diese Art an, dass seine alten Knochen heute mal eine Pause brauchen.Vorbei an einer großen Burgruine bei Tenningen nehmen wir Kurs auf den Texaspass. Bei extrem schwüler Witterung erklimmen wir die steile Rampe ins Herz des Kaiserstuhls, fahren wieder runter nach Vogtsburg und biegen ab zum Texaspass. Dieser entpuppt sich dann als topologisch harmlos, aber landschaftlich sehr reizvoll. Damit ist schon mehr als die Hälfte unserer Tour geschafft und der langsam zuziehende Himmel mahnt zur Rückkehr. Bald haben wir den Rand der Berge wieder erreicht, die wir noch hochklettern müssen. Kurz vor Oberschwanden sehen wir schon den heranrauschenden Regen. Mit Tempo 40 geht es „Café Tour“ entgegen. Mit dem ersten Donner schieben wir unsere Räder in die Garage und drei Minuten später bricht draußen das Unwetter herein.

Am Nachmittag unternehmen wir noch einen Ausflug per Auto nach Freiburg. Eine wundervolle Stadt, mit einem von vielen Studenten geprägten alternativen Flair. Auch hier gibt es ein Gewitter, dem ausgedehnte Regenfälle folgen. Stört uns nicht, denn wir genießen unsere Abendessen beim Italiener an der Dreisam. Der Abend klingt aus mit einem von Ulla vorbereiteten radsportspezifischen „Stadt – Land – Fluss“ Spiel.

Donnerstag 23. Juni – Königsetappe, Teil 2
Das Wetter hat sich beruhigt. Wolken und Sonne wechseln sich ab. Die Luft ist klar, allerdings auch ziemlich kühl. Nichts steht unserem Tatendrang entgegen. Auf und ab – so könnte man die heutige Tour umschreiben. Wir stürzen uns zunächst wieder zu Tal und erreichen über Sexau und Kirchzarten zügig die Abzweigung bei Gutach. Flußaufwärts geht es, zunächst sehr moderat, aber nach ca. 8 Km nimmt die Steigung deutlich zu und wir klettern über viele Kilometer zunächst auf der Bergflanke empor bis zu einer Höhe von 1.000 Meter. Die abfallende Straße führt uns nach Furtwangen und damit an einigen der Perlen Schwarzwälder Handwerkskunst, wie den Werken von Faller, Bihler oder Siedle vorbei. Bald schon geht es wieder bergauf, auch hier erreichen wir noch einmal 1.000 Meter. Die folgende Abfahrt nach Triberg ist steil und lang. Im Tal erwartet uns ein Trubel wie in Rüdesheim. Wir verschieben unserer Rast ins wenige Kilometer bergauf liegenden Schonach. Aber vor den Genuß haben die Götter den Schweiß gesetzt. Schonach ist schließlich nichts weniger als eine Wiege des deutschen Skisports, immer noch Heimat von zahlreichen Olympiacracks, wie die Stadtväter bereits am Ortsschild verkünden. Entschädigung für die Mühen des Aufstiegs bietet die fast zwanzig Kilometer lange Abfahrt hinter Schonach. Nach wenigen flachen Kilometern müssen wir einen weiteren Gebirgskamm erklimmen und anschließend – immer getreu dem Motto „What goes up, must come down“ – hinunter in Schutttertal. Noch eine kleine Steigung und wir sind auf dem Höhenweg Richtung „Café Tour“. Kurz vor unserer Ankunft gönnen wir uns im Café Duft noch einmal eine Belohnung für unsere Mühen und freuen uns über die vielleicht schönste unserer bisherigen Touren, mit 125 Kilometern und fast 1.800 Höhenmeter war es aber auch die vielleicht anspruchsvollste.

Freitag 24. Juni 2011 – Abschiedsrunde
Bardo erscheint heute im vollen Ornat – sprich: Trikot und Hose – zum Frühstück. Er macht sich gegen 8.30 Uhr per Rad auf den Weg nach Hause. Ansage: In einem Rutsch bis heim! Sonja und Andreas müssen wegen einer Familienfeier am Mittag nach Hause fahren. Ullas Erkältung ist voll erblüht – an Radfahren also nicht zu denken. Also haben sich Ulla und Jimi ebenfalls entschlossen, ihre Zelte in Oberschwanden abzubrechen. Der verbliebene Rest begibt sich auf die 60 Km-Abschieds-Runde, die nach der Auf-und-ab-Orgie vom Vortag eher ins Flache Richtung Orthenau führt. Das Wetter ist kühl, aber überwiegend sonnig, die Luft klar und so macht die Tour noch einmal richtig Spaß – jedenfalls größtenteils, denn in und um Lahr macht uns der Verkehr und die nicht gerade sehr radlerfreundlichen  Autofahrer das Leben eher schwer. Wie man überhaupt sagen muss, dass es in den Tagen unserer Breisgau-Tour nur selten möglich war, unsere gewohnte Zweierreihe zu fahren. Über einen guten Radweg flüchten wir aus Lahr und gelangen bald wieder in ruhigere Gefilde. Ein letztes Mal Klettern und es geht auf unserer Lieblingsstraße mit Schmackes die letzten zehn Kilometer zurück zu Café Tour. Zufrieden bilanzieren wir rund 500 zurückgelegte Kilometer mit rund mit rund 7.000 Höhenmetern, keine Stürze, nur ein Defekt. Bemerkenswert auch, dass wir trotz des eigentlich eher durchwachsenen Wetters auf dem Rad so gut wie nicht nass geworden sind.

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