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Orient goes Dijon

Submitted by on Samstag, 28 Juni 2008No Comment

Sonntagabend, kurz vor 20.00 Uhr: Unser fast neuer Fiat-Ducato-Bus setzt zur Landung in Mainz-Mombach an. Harald hält das Steuer gelassen in der Hand, während Andreas sich weigert, genauere Angaben über unsere Standort (besser: Flugposition) zu machen und stattdessen behauptet, er könne die Schilder nicht lesen, weil es wegen der Annäherung an die Lichtgeschwindigkeit zu einer Verschiebung des Raum-Zeit-Gefüges mit peripheren optischen Verzerrungen komme. Uns Anderen – Michele, Guido, Ulla, Jimi und meine Wenigkeit – ist der Blick nach vorne verstellt, weil die Konstrukteure des Ducato es für eine glänzende Idee hielten, die vordere Sitzbank 30 Zentimeter höher einzubauen als die hinteren Bänke. Ist auch egal. Zum einen war die Fahrt von Dijon nach Mainz kurz (wegen der Lichtgeschwindigkeit), vor allem aber kämpfen wir nach den erlebnisreichen Tagen ohnehin mit ständig herabsinkenden Lidern und haben keinen Blick für die Gegend. Außerdem: Alles, was es da zu sehen gibt, kann nur weniger schön sein als die Landschaften, die wir während der vorangegangenen Tage mit unseren Rädern durchquert, bestaunt und genossen hatten. Aber nun mal der Reihe nach:

Erste Etappe: Mittwoch, 25. Juni 2008, Mainz – Bad-Bergzabern, 138 Km

8.00 Uhr: Elf Männer und drei Frauen treffen sich bester Laune und ein wenig reisefiebrig bei Europcar in Mainz-Mombach. Es ist schon reichlich schwül für diese Tageszeit, wir schwitzen schon vor dem Radfahren – außer Carl natürlich, der Armlinge und Weste trägt. Das Gepäck ist schnell im Bus verfrachtet, dessen Fahrer – so war die Idee – nach jeder Halbetappe neu ausgelost wird. Guido meldet sich freiwillig für die erste Etappe, krabbelt in den Bus, wir schwingen uns in den Sattel und los gehts im Zuckeltempo zum Mainzer Rathaus, wo die offizielle Verabschiedung stattfindet.

dijontour1Peter Krawiez nimmt sie vor, nicht ohne im Vorfeld zwei- bis dreimal betont zu haben, dass er wegen uns seinen Urlaub unterbrochen hat. Zum Glück sind eine Pressefotografin und ein Journalist da, das stimmt ihn milde. So machen wir uns alsbald, ausgestattet mit den besten Wünschen des Kulturdezernenten, auf den gut 500 Kilometer langen Weg in die Mainzer Partnerstadt (Mir fällt ein Fassenachtswitz ein: „Om Ofang simmer gut vum Fleck gekomme. Awer als mer erscht emol aus Weisenau drauße warn – do hot sichs gezoche!“). Die Stimmung ist gut, die Sonne scheint, es ist schwül, Carl trägt noch die Armlinge. Zuerst geht es am Rhein entlang, ab Osthofen schwenken wir mehr nach Westen. Die erste Steigung, der erste Schweiß brennt in den Augen, die Schwüle wird schlimmer.

Wir verlassen Rheinhessen und kommen in die Pfalz, müssen uns für die Mittagspause mit Guido und Evelyn zusammentelefonieren (Hajo und Evelyn wollen nach Dijon ihren Urlaub im Auto fortsetzen und können daher immer nur abwechselnd radeln). Ulla und Sonja übernehmen das Steuer des Busses. Nach kurzer Rast geht es weiter Richtung Deidesheim, es ist saumäßig schwül.

Hinter Deidesheim treffen uns erste Regentropfen. Wir suchen uns ein Dach über dem Kopf und finden es in Form eines Winzervereins-Ausschanks. Zunächst kommt uns die überdachte Terrasse gerade recht. Die Wirtin blickt sorgenvoll zum Himmel und meint, dass der nicht gut aussehe und dass wir lieber reingehen sollen, weil uns vermutlich bald das halbe Mobiliar der Terrasse um die Ohren fliegt. Wir lächeln innerlich – bis uns die erste Windbö trifft und die Luft plötzlich bierdeckelhaltig ist. Gerade noch rechtzeitig schaffen wir es ins Haus, dann bricht draußen der Teufel los.

Nach rund zwei Stunden blasen wir zum Aufbruch. Es regnet noch, Regenjacken werden übergestreift, ich ernte mitleidige Blicke, weil meine Regenjacke im Bus liegt und ich nur meine Weste überziehe. Kaum sind wir losgefahren, hört der Regen schon auf, naß werden wir nur noch von unten. Aber auch das immer weniger. Es ist nicht mehr so schwül. Die Sonne kommt wieder raus. Regenjacken und Westen verschwinden in den Trikottaschen. Die Stimmung steigt in ungeahnte Höhen, wohl auch wegen der Weinmoleküle, die noch in den Blutgefäßen des einen oder anderen Recken kreisen. Das mit dem „rechts fahren“ scheint immer schwieriger zu werden. Die entsprechenden Appelle des bekannt ordnungsliebenden Abteilungsleiters verhallen größtenteils ungehört.

Vor einer Ortsdurchfahrt kommt es zu einem Krach mit einem eiligen BMW-Cabrio-Fahrer, der unseren Pulk noch schnell überholen will, was von der enger werdenden Straße und den in vier bis fünf Spuren fahrenden Orientalen aber verunmöglicht wird. Ausbremsen, Hupen, Umstellen, Schimpfen – ich schäme mich ein bißchen. Wenn das die Polizei gesehen hätte: Nötigung auf beiden Seiten, Gefährdung im Straßenverkehr, Beleidigung – schätzungsweise ein Tausender wäre dann wohl in die Staatskasse geflossen. Zum Glück behält Harald einen kühlen Kopf, redet vernünftig mit dem Fahrer des BMW. Das Handy der Begleiterin verschwindet wieder in der Handtasche, die Gemüter beruhigen sich. Ich beschließe, am kommenden Morgen eine Moralpredigt zu halten.

Der Verkehr auf der Weinstraße nimmt jetzt gegen Abend rapide ab. Wir konzentrieren uns wieder auf die Fahrt durch die Südpfalz, die hier einfach wunderschön ist. Wolfgang, der schon von Undenheim nach Mainz geradelt ist und 30 Kilometer mehr als die Anderen in den Beinen hat, bekommt im ständigen Auf und Ab am Rande des Pfälzer Waldes immer wieder Krämpfe und beschließt, das letzte Stück nach Bad Bergzabern im Flachen zurückzulegen. Wir anderen sammeln auf den letzten 30 Kilometern noch einmal 600 Höhenmeter ein und erreichen schließlich Bad Bergzabern, ein wunderschönes Städtchen in einem Seitental des Pfälzer Waldes.

Die Pension ist prima, das Abendessen lecker. Jimi ergreift die Initiative, übernimmt die Gardinenpredigt und erspart sie mir. Am Abend spielt Deutschland gegen die Türkei bei der Fußball-EM. Auch in Bad Bergzabern wird der deutsche Sieg von den Korso-Profis ausgiebig gefeiert. An Schlaf ist nicht zu denken. Gegen zwei Uhr wird es endlich ruhig. Um sechs bin ich schon wieder wach – Mist, ein Stündchen mehr hätte es schon sein dürfen, denn die Königsetappe steht an.

2. Etappe: Donnerstag, 26.06.2008, Bad Bergzabern – Raon L´Étape, 158 Km

Wolfgang beschließt, seinen gestressten Muskeln eine Pause zu gönnen und meldet sich freiwillig zum Busfahren am Vormittag. Bald haben wir das Weintor erreicht, das nicht nur das Ende der Weinstraße, sondern auch den baldigen Grenzübertritt nach Frankreich ankündigt. Ein letztes Foto und es geht hügelabwärts über die französische Grenze, vorbei an lächelnden und freundlich winkenden Zöllnern.

dijontour2 Vor 70 Jahren noch galten unsere westlichen Nachbarn als der „Erbfeind“, jetzt fahren wir unkontrolliert, hochwillkommen und freundlich begrüßt über die Grenze. Wohl keiner unter uns, der die Früchte der deutsch-französischen Annäherung in diesem Augenblick nicht als ungeheures Glück für unsere Generation empfunden hat. Sofort umgibt uns französisches Flair und bald schon tauchen die ersten Häuser im Elsässer Stil auf. Das ständige Auf und Ab durch die hügelige Landschaft setzt sich fort und wird uns bis Dijon begleiten. Über das Wetter reden wir wenig – es ist schön und wir brauchen es nur zu genießen. Wir erklimmen einen kleinen Berg und blicken auf eine Ebene: Bäume so weit das Auge reicht, der Wald von Haguenau. Bald tauchen wir ein zwischen die Bäume und gleiten überwiegend auf Radwegen mühelos durch den grünen Ozean. Bardo scheint sich auszukennen wie in seiner Westentasche und hält uns mit traumwandlerischer Sicherheit auf dem richtigen Weg. Wir lassen den dichten Wald hinter uns, die Landschaft wird wieder offener und hügelig. Interessant sind die Ortsnahmen. Sie klingen fast wie zuhause. Es gibt Mommenheim, Lampertheim, Molsheim, Westhoffen.

Mittagspause, sehr idyllisch am Ufer eines Kanals. Von weitem schon erkennen wir unsere Begleitfahrzeuge, deren Piloten – in diesem Fall Wolfgang und Hajo – vorher Baguettes und Kuchen, Früchte und Gemüse, Wasser und Cidre für Alle gekauft und das Ganze höchst appetitlich auf einem mitgebrachten Tapezierertisch ausgelegt haben. Einfach fantastisch! Nach der Mittagspause meldet sich erstmals kein Freiwilliger zum Busfahren, also wird gelost. Michele zieht das kurze Stöckchen und ärgert sich mächtig, denn am Nachmittag wartet das „Dach“ unserer Tour, der rund 800 Meter hohe Col du Donon. Carl meint, das Ding sei vollkommen harmlos, vergleichbar mit dem Wispertal. Was dann kommt, ist aber – von wegen Wispertal! – eine ordentliche Rampe, 10 Km lang und im Schnitt etwa 8 Prozent steil. Mit über 100 hügeligen Kilometern in den Beinen fühlt sich noch mal deutlich steiler an. Aber alle kämpfen sich schließlich nach oben, auch Ulla, Wolfgang und Sonja kommen zwar abgekämpft, aber gut gelaunt an.

Nur noch 35 Kilometer bis zu unserem Tagesziel. Es geht zunächst steil bergab, bis zu 15 Prozent, später aber nur noch unmerklich, genau richtig, um noch mal die große Scheibe und ein kleines Ritzel aufzulegen und es so richtig rollen zu lassen. Der Tacho zeigt ständig zwischen 35 und 40 Km/h an, vor allem Carl und Andreas spielen die Lokomotive und Alle ziehen mit, die Ketten rasseln leise, die Reifen singen ihr Lied, es macht noch mal richtig Spaß! Ruckzuck erreichen wir Raon l´Étape, mitten im Ort warten schon unsere Begleitfahrzeuge vor dem Hotel. Das Ding liegt an der vielbefahrenen Durchfahrtsstraße, nicht die optimale Voraussetzung für einen tiefen Schlaf. Zunächst mal fläzen wir uns auf ein paar Bänke um einen Brunnen und spülen den Staub der Landstraße mit ein paar Panaché (=Radler auf französisch) und Kronenbourg runter. Am Abend sitzen wir auf der Terrasse vor dem Hotel, genießen ein sehr gutes Abendessen und testen uns die Getränkekarte rauf und runter.

Freitag, 27. Juni 2008, Raon l´Étape – Bourbonne les Bains, 112 Km

An das französische Frühstück muss man sich gewöhnen – ein Stück Baguette, ein Croissant, Butter, Marmelade, Kaffe und ein Schluck Fruchtsaft – c´est ca. Das muss reichen bis zur ersten Rast. Vor der Abreise sind noch die Rechnungen zu zahlen – und das ist komplizierter als gedacht. Denn der Wirt drückt mir mit gewinnendem Lächeln zwei Rechnungen in die Hand, auf der Einen stehen die Preise für die Übernachtung und das Frühstück, auf der Anderen sämtliche Speisen und Getränke des gestrigen Abends, gut 500 Euro in der Summe. Jetzt geht die Recherche los: Hmm – was habe ich eigentlich zum Nachtisch gegessen? Hatte ich einen Aperitiv, einen Nachtisch, einen Café? Wie viele Bier waren das eigentlich, Pression, wasn das? Nach etwa 30 Minuten und intensiver Gedächtnisarbeit haben wir uns der Rechnungssumme bis auf etwa 50 Euro angenähert. Hmm – vielleicht hatte ich doch noch ein Bier mehr! Ach, da fällt mir ein, ich hatte ja zwei Nachtisch! Steht der Kir vor dem Essen eigentlich auch auf der Rechnung? Die Differenz zur Rechnungssumme schrumpft auf rund 30 Euro – wir einigen uns auf eine Umlage, bis alles passt. Der Wirt strahlt wie ein Honigkuchen, er hatte wohl kaum noch zu hoffen gewagt, dass wir am Ende die Kohle komplett zusammenkriegen. Begeistert bietet er an, uns noch einmal als Gruppe auf der Treppe seines Hotels zu fotografieren. Dann noch die Auslosung des Bus-Piloten: Diesmal trifft es Jimi, der sich entspannt lächelnd in sein Schicksal fügt. Und dann sind wir endlich wieder auf der Landstraße.

Das Auf und Ab setzt sich fort, manche Wellen sind ausgesprochen giftig. Längst haben die Orte „richtige“ französische Namen. Die Landschaften, die an uns vorbeiziehen, sind abwechslungsreich und wunderschön. Es geht noch mal über einen kleineren Berg. Oben wartet wieder unser Partyservice – das wird in hundert Jahren nicht langweilig, das genießt man jedes Mal aufs Neue. Weiter gehts in bester Stimmung. Die Wellen werden flacher, meine Beine fühlen sich prima an, auch ich beteilige mich an der Führungsarbeit. Wir fahren nach einer leichten Welle mit etwa 40 Sachen mit gutem Druck auf den Hufen ins Flache, ich am rechten Straßenrand, Carl links neben mir. Ein LKW hat etwas Lehm verloren, der von den Autos platt gefahren wurde. Links neben Carl sehe ich noch einen fetten Lehmpfannkuchen vorbeihuschen, da höre ich auch schon hinter uns das hässliche Geräusch von Fahrradrahmen, die auf die Straße klatschen. Es hört sich so an, als ob sich die halbe Gruppe abgelegt hat. Ich halte an, würde mich am liebsten gar nicht umdrehen, tue es doch und sehe als erstes nur Michele am Straßenrad liegen. Dann sehe ich auch Wolfgang, der am Grund der Straßenböschung liegt. Mist!!!

Bardo geht ein Stück nach hinten, warnt herannahende Autos und Laster. Die anderen schieben die Räder ein Stückchen zurück auf ein freies Fleckchen Wiese. Wolfgang steht schon wieder und bewegt prüfend seine Arme. Er scheint es einigermaßen glimpflich überstanden zu haben, weil er relativ weich in die Böschung gestürzt ist. Michele hat es schlimmer erwischt. Hautabschürfungen am ganzen Körper, der Helm ist hinten komplett aufgeplatzt – ohne Helm hätte er mit Sicherheit die Klinik in Epinal von innen kennengelernt – aber auch er gibt – gottlob – erst mal Entwarnung. Es scheint nichts gebrochen zu sein.

Ich telefoniere nach dem Bus. Dort drin ist erstens unser 1. Hilfe-Kit, zweitens ist am Rad von Wolfgang der linke Bremsgriff komplett abgerissen. So kann er mit dem Rad nicht mehr fahren. Michele testet sein Rad – alles okay. Er will weiter fahren, Carl versucht ihn zu überreden, noch ein wenig sitzen zu bleiben und gemeinsam auf den Bus zu warten. Aber keine zehn Pferde können Michele jetzt halten. Er schnappt sich sein Rad und macht sich davon. Hajo hängt sich als Begleitschutz dran. Der Bus kommt, Wolfgang und Sonja machen sich auf Richtung Epinal, um einen Ersatz für den defekten Bremsgriff zu finden. Wir anderen fahren in natürlich nicht mehr so toller Stimmung weiter Richtung Bourbonne les Bains, das nicht mehr sehr weit weg ist.

Es geht bergauf, ein wenig bergauf, dann wieder länger bergauf, kurz bergab und wieder lange bergauf. In der Abfahrt erreichen wir unser Hotel, sehr malerisch am Ufer eines (wohl künstlich angelegten) kleinen Sees. Michele ist schon da – und richtig sauer. Wir fühlen uns unschuldig, verstehen aber, dass er mit seinen Emotionen irgendwo hin muss und lassen seine Tiraden über uns ergehen. So etwas braucht seine Zeit. Die Zimmer im Hotel sind winzig und nicht preiswert, aber die Umgebung ist wunderschön. Mit einem gemeinsamen Abendessen und einem Dämmerschoppen in einem Pavillon am See klingt der Abend eines aufregenden Tages sehr harmonisch aus.

Samstag, 28. Juni 2008, Bourbonne les Bains – Dijon, 135 Km

dijontour3Michele geht es den Umständen entsprechend gut, Wolfgangs Rad ist repariert, die Sonne scheint wie immer, die letzte Etappe winkt. Nach dem gestrigen Erlebnis fahren wir noch vorsichtiger als gestern, fast schon verkrampft. Carl hat sich freiwillig als Bus-Chauffeur gemeldet. Die Landschaft ist nicht mehr ganz so wellig wie in den vorangegangenen Tagen, so dass wir gut vorankommen. An den oft sehr rauen Asphalt könnte man sich gewöhnen, wenn einen nicht hin und wieder Stücke mit glattem Asphalt daran erinnern, wie viel komfortabler die Fahrt sein könnte.
Unsere französischen Freunde von den C.S.C. Dijon haben angekündigt, dass sie uns etwa 35 Km vor Dijon mit einem Picknick erwarten. Wir wollen in Fontaine Francaise ein letzte Rast einlegen und die Zeit so abpassen, dass wir ziemlich auf den Punkt um 11.30 Uhr am verabredeten Treffpunkt Source de la Bèze eintrudeln. Wir kommen prima voran, die Landschaft fliegt nur so vorbei. Jimi bittet mich, ihn in der Führung abzulösen und ich merke: Die Landschaft fliegt zwar immer noch vorbei, aber das da vorne ist harte Arbeit. Plötzlich taucht am linken Straßenrand unser Bus auf – Fontaine Francaise ist erreicht, die Gartenparty ist wie immer vorbereitet. Glücksgefühl macht sich breit: Die meiste Arbeit ist getan, den Rest der Strecke fahren wir zur Not mit dem Finger in der Nase.

Ich habe meine Banane gerade verdrückt, da taucht auf der Straße ein Radfahrer auf. Das Trikot kennen wir doch, das Gesicht auch. Es ist Alain von C.S.C. Dijon, der uns ein wenig entgegengefahren ist. Der herzlichen Begrüßung folgt ein etwas überstürzter Aufbruch. Wir sind vielleicht einen Kilometer gefahren, da warten bereits weitere Mitglieder von C.S.C. – großes Hallo!! Schultern werden geklopft, Wangenküsse ausgetauscht, dann schwingt sich alles in den Sattel und es geht mit sehr reduziertem Tempo, dafür heftig plaudernd,  französisch und deutsch radebrechend, gen Source de la Bèze.

Dieser Ort gilt als einer der schönsten Orte Frankreichs. Unser Rastplatz liegt am Rande der Source – also Quelle – in Bèze. Hier drückt ein unterirdischer Fluß an die Oberfläche, es ist also deutlich mehr als ein kleines Brünnlein, das da sprudelt. In der Nähe gibt es Grotten mit unterirdischen Seen, auf denen man mit dem Boot fahren kann. Direkt an unserem Lagerplatz fand sich ein Denkmal des Kanonikus Kir, ehemals Pfarrer in Bèze, später Bürgermeister in Dijon, einer der wichtigsten Väter der deutsch-französischen Freundschaft und so ganz nebenbei Erfinder des nach ihm benannten Getränks. Und genau dieses gießen wir uns dann auch zur Begrüßung als erstes hinter die Binde. Ausgeglüht, wie wir sind, schießt es uns gleich in den Kopf. Zum Glück gibt es ein veritables kaltes Mittagsmahl, anschließend leckeren Käse und hinten drauf einen Café.

Ein Blick in Carls Augen genügt, um zu sehen: Der Mann will noch mal aufs Rad. Also tauschen wir. Ich übernehme den Bus, Carl streift sich noch mal unser grün-weiß-gelbes Trikot über. Die letzten 35 Km lege ich also am Steuer des Mannschaftsbusses zurück. Mit der Entspannung kommt die Müdigkeit, ich kämpfe bald heldenhaft gegen meine schwer werdenden Augenlider. In Dijon angekommen, wird erst mal der Bus geparkt, dann sitzen wir nach einer kurzen Stadtführung mit unseren Gastgebern Michel und Fabienne in einer Kneipe am Rathausplatz. Jetzt heißt es warten auf die Radsportler. Pünktlich wie die Maurer trudeln sie ein. Es soll einen offiziellen Empfang geben, aber der geht im allgemeinen Trubel auf dem Platz fast unter. Macht uns nix, wir freuen uns auf die Dusche bei unseren jeweiligen Gastgebern. Danach gehts wieder in die Innenstadt. Ein deutsch-französischer Fahrradkorso steht an. Vorher werden wir mit Schärpen in den Nationalfarben, Fähnchen und Schminck-Logos verziert. Dann nimmt der Korso seinen Lauf. Es ist so eine Art Stadtführung auf dem Rad.

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Nachdem die Räder verstaut sind, geht es zu Fuß vom Clubheim der Chantalistes zum sehr leckeren Abendessen in ein Restaurant. Die Stimmung ist super, zwischenmenschlich passt es zwischen den Chantalistes und den Orientalen. Danach promenade digestif (Verdauungsspaziergang) zurück zum Clubheim, Fahrt in die Quartiere und ab in die Heia. Am nächsten Tag erwartete uns noch ein kleines Fest im Haus Rheinland-Pfalz mit klassischem Konzert und rheinland-pfälzischen Spezialitäten. Bei unserer Abreise am Nachmittag versprechen wir baldige Rückkehr, nämlich – bitte Alle vormerken – am 28. September zu einer großen Radtouristikfahrt rund um Dijon.

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