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Jörgs Doppel Hattrick

Submitted by on Sonntag, 2 Juli 2006No Comment

Trossingen_2006-1 Trossingen_2006_2

„…was ist bloß mein Ziel für das nächste Jahr???“ (von Jörg Stehle)

Also, bei den deutschen Meisterschaften der Ärzte und Apothekern im Duathlon habe ich ja nun 2-mal hintereinander in den vergangenen Jahren in meiner Altersklasse, heißt also M50, gewonnen, es galt also dieses Jahr den Hat-Trick-Sack zuzumachen. Meine Altersklasse war bestens besetzt, weil mensch in dem Alter offensichtlich wieder vermehrt über (Trainings-) Zeit verfügt – trotz, oder gerade wegen der Budgetierung im Gesundheitswesen scheint dies im besonderen für die Ärzteschaft zu gelten – ich hab einfach den falschen Beruf gewählt….

Duathlonmeisterschaft

Ich trat nur in passabler Form zu den Duathlonmeisterschaften an, das Frühjahr war ziemlich verkorkst, keine Rennpraxis, ziemlich erschöpft wegen ständigem Überstress. Ich trat aber mit gewaltigem Ehrgeiz an (Ihr kennt mich…), auch wenn ich ja bekanntermaßen immer noch weder Arzt noch Apotheker bin, sondern lediglich erstere mit der Anatomie bis aufs Blut quäle, damit es später mal gute Ärzte werden – aber ich glaube aus Angst haben die mich trotzdem nicht aufgenommen…

Die Titelkämpfe fanden, wie gewohnt Ende Mai in Trossingen statt, eingebettet in den Summertime-Duathlon, eine ganz tolle Veranstaltung, wie immer bei sommerlichen Temperaturen, mit einem illustren Starterfeld. Neue Laufstreckenführung, 2-km Runden in der Innenstadt, taten der Publikumswirksamkeit ein Übriges, unbedingt nachahmenswert, einfach tolles Feeling durch Zuschauerspaliere zu laufen/radeln! Erste Laufsrecke, 8 Kilometer, ich bin locker (ha,ha) im 4 Minuten Schnitt durchgelaufen, als faltiger Duathlonhase wissend, dass das dicke Ende auf der zweiten Laufstrecke kommt…Habe mir für diese Lockerheit gleich mal fast 2 Minuten Rückstand auf meine 2 ärgsten Konkurrenten eingehandelt, immer schön deprimierend/motivierend die Zeitunterschiede angesagt von Sibylle, meine beste (und einzige) Wettkampfbetreuung. Aber zurückstecken galt nicht, wusste ich doch vom vergangenen Jahr um meine Radstärke.

Dann ging es aufs Rad, und ich versuchte erstmalig den Wechsel mit den von Heiko geerbten Triathlonschuhe bereits an die Pedalen angeklickt, nach strümpfigem Durchlaufen der Wechselzone, beim Fahren in die Schuhe zu schlüpfen – es klappte großartig und sparte mächtig Zeit, mindestens Renn-entscheidende 26 Sekunden…. Dann waren 45 Kilometer auf einer 9 Kilometer Wendepunktrunde zu absolvieren, netterweise der Rückweg bergauf, aber dafür mit sattem Gegenwind, nein Sturm, genau das Richtige für mich als Kraft-Pedaldrücker der dicken Gänge, zumal Windschattenfahren nicht erlaubt war. Nach 2 Runden war ich an den beiden Enteilten fast dran, in Runde drei zog ich am Anstieg, tief gebeugt auf meinem wunderschönen TREK Rad an der Konkurrenz vorbei, Durchschnittsgeschwindigkeit von 33 Stundenkilometer standen trotz der widrigen Verhältnisse am Ende zu Buche.
Beim zweiten Wechsel hatte ich dann schon fast zwei Minuten Vorsprung vor der Konkurrenz, zwei Runden Laufen waren noch zu absolvieren, schaffte ich in 4:30 den Kilometer, schon leicht angeknockt, aber voll motiviert und am Ende mit beruhigenden 4 Minuten Vorsprung ins Ziel kommend.

Mit der Zeit hätte ich auch die offene Altersklasse der M40 (!!) beim Summertime Triathlon gewonnen, ergo, ich war zufrieden mit mir, Sibylle auch. Gutes Gefühl, der Hat-Trick im Duathlon war damit perfekt.

Aber ich hieße nicht Stehle, wenn mir und meinem unstillbarem Ehrgeiz das schon gereicht hätte, es standen ja 3 Wochen später, am 18./19. Juni, noch die Deutschen Meisterschaften der Ärzte und Apotheker auf der Strasse an.

Die fanden in Stuttgart statt, also wieder Räder aufs Dach, die beste aller Ehefrauen auf den Fahrersitz und mit ab zum Camping ins Schwäbische. Wir hatten dabei unterschätzt, wie viele Holländer Camper sind, und das die holländische Mannschaft in Stuttgart just an diesem Wochenende ein Vorrundenspiel hatten – die Nacht war grauenhaft! Auch Klopapier als Ohropax-Ersatz half wenig, fluchtartig am nächsten Morgen, dem Tag des Bergzeitfahrens, zum Startort hingefahren und dort noch ein paar Minuten nachgeschlafen.

Sengende Hitze – Ulle-Wetter, und ein gemeiner 4 Kilometer Kurs mit über 12% Steigung. Wie bei den Profis vor dem Start auf der Rolle warmgefahren (ja, auch die musste mit…), zum Start gerollt und DM-Titel Nummer zwei mit 2 Sekunden Vorsprung eingefahren. Besser waren natürlich die Youngster und ein 60-jähriger, so ein Werner-Verschnitt, auch schon mehrfacher DDR- und Europameister, der mir 12 Sekunden abnahm – Respekt!

Am nächsten Tag dann ein Strassenrennen, dass uns den Ausrichter sehr schnell verfluchen ließ, ein 7 Kilometer Rundkurs mit einer 23%-igen nicht enden wollenden Steigung (!!!) drin, einer mäßig steilen Abfahrt, und ich mit nur eine 39/25-er Übersetzung. Keine Chance bei fast 80 kg Lebendgewicht, auch wenn das Mitglied des ausrichtenden Vereins, der Silbermedaillengewinner von 1984 auf der Bahn, Uwe Messerschmidt, meinte, er sein da schon mit 21 Zähnen hochgefahren….In letzter Minute lieh mir ein Augenarzt seinen Kranz nach Absolvierung seines Rennes, er selbst schwarz vor den Augen, also wenigstens 27 Zähne jetzt als Rettungsring! Das Rennen wurde wegen 36°C im Schatten dann kurzfristig von 6 auf 4 Runden verkürzt, was alle Teilnehmer sehr begrüßten, aber es wären ja im Fall der Fälle genügend richtige Ärzte da gewesen…Nur Sibylle fand das ganze gar nicht mehr lustig und legte sich fast mit dem Ausrichter an – sie liebt mich halt lebend….

Start war bezeichnenderweise mitten im Berg (!!!), manche kamen gar nicht erst in die Pedalen rein, ich hab aus einer Garageneinfahrt 10 Meter hinter der Startlinie Anlauf genommen dann gleich reingedrückt, denn ich wusste ob meiner Form, dass ich für das erste mal den Berg hochkommen noch genügend Kraft haben würde….. Alle anderen ließen es langsamer angehen, ich hechelnd und mit Puls 180 (Cosmas, höher geht das bei mir nicht mehr, also gewöhn Dich langsam an niedrigere Pulsfrequenzen..) am Ende des Berges angekommen. Ruck-Zuck hatte ich über eine Minute Vorsprung rausgefahren, zusammen erneut mit dem DDR-Veteranen. An der zweiten Steigung half auch alles aufmunternde Winken meines 60-jährigen Begleiters nicht mehr, ich musste reissen lassen. Den bis dahin herausgefahrenen Vorsprung brauchte ich dann auch bitter auf den folgenden Runden, denn die Verfolger kamen Rund um Runde näher. Aber ich schaffte es, mit 30 Sekunden Vorsprung ins Ziel zu kommen. Wieder Deutscher Ärztemeister, wieder zum Entsetzen von Sibylle ein Pokal, der einstaubt..…

Der zweite Hat-Trick war damit perfekt, 3-facher Deutscher Meister der Ärzte und Apotheker in einem Jahr – was ist bloß mein Ziel für das nächste Jahr ???

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