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Rennen in Urberach

Submitted by on Montag, 16 Juni 2003No Comment

von Cosmas Lang

Nachfolgend ein kleiner Erlebnisbericht vom Rennen in Urberach. Das ist natürlich alles subjektiv, gerade was den Gesamtausgang des Rennens angeht.

Am Samstag also bei miesem Wetter Urberach am Rand des Odenwalds, mit 160km (nach meinem Tacho 158,3km, aber ich fahre meistens Innenkurve 🙂 ungewöhnlich lang für ein C-Rennen, dabei aber mit gemessenen 1510 Höhenmeter trotzdem nicht gerade flach.

Die Höhenmeter kommen geballt zwischen Kilometer 30 und 115 in Form von 8-9 mittelschweren Odenwaldbergen, der Rest ist fast topfeben. Die ersten 30km nach dem Start um 14:50 waren ungewohnt leicht, einige Sprints nach Kurven, aber nicht zu heftig, so dass sogar ich dranbleiben kann. Zwischendurch plauscht man ein wenig und wartet auf die Hügel. Durch Rückenwind ergibt sich ein Schnitt von 48 km/h (!), bevor es bergiger wird.

Dann die Berge, das übliche Spiel: bergauf zumindest die ersten 5-6 kein Problem, ich komme bis nahe an die Spitze des Feldes, bergab wandere ich als Leichtgewicht dann wieder weiter nach hinten. Von den ursprünglich 200 C-Fahrern bleiben bald höchstens 90 übrig, der Rest verliert sich hinter dem Schlusswagen. Das ändert sich, als die 3 Minuten später gestarteten 80 B-Fahrer überholen und das Tempo verschärfen. Jetzt geht’s auch bergauf richtig hart, und bergab habe ich zunehmend Probleme, dranzubleiben; Dreimal werde ich vielleicht 10 Meter abgehängt und schaffe es bergab nicht, gegen den Wind aufzuholen, obwohl ich härter fahre als bergauf. Die Beine gehen völlig zu, es ist nichts zu machen: die 10 Meter könnten eben so gut 10 Kilometer sein. Was mich jedes mal rettet, ist, dass doch immer noch ein paar Fahrer hinter mir sind, die die Berge schlechter hochgekommen sind und im Gegensatz zu mir offenbar null Probleme haben, bergab an das Feld ranzufahren. Zweimal grinst mich der gleiche Fahrer an, als er vorbeischießt. Also drangehängt und wieder rangefahren… Ein eigener Helfer hätte es nicht besser machen können!

Irgendwann schaffe ich es wieder, schon vor der Kuppe im vorderen Teil des ausgedünnten Feldes zu bleiben, das jetzt nur noch zur Hälfte aus C-Fahrern besteht, und dann wird es auch wieder flacher. Zuvor hat es aber erst mal kräftig angefangen zu schütten (bisher gab’s nur leichten Nieselregen), die letzten Abfahrten sind im Wolkenbruch, aber immerhin wird deswegen vorsichtiger gefahren. Jetzt liegen 110 km hinter mir, es regnet ununterbrochen weiter, und ich habe eigentlich überhaupt keine Lust und Power mehr. Noch 50km! Was mich am Aufgaben hindert, ist der Gedanke, dass ich dann zurück ja trotzdem fahren muss, aber mehr oder weniger allein. Dann doch lieber möglichst schnell weiter mit den anderen.

Das Tempo mäßigt sich jetzt auch, offenbar hat keiner mehr Lust oder Kraft für wirklich harte Tempoverschärfungen. Noch ein paar Kurvensprints, ansonsten wird wirklich erträglich gefahren, und der Schnitt, der sich nach den Bergen bei 38 eingependelt hatte, steigt trotz Flachland kaum mehr. Zeit, sich zu erholen! Nach der ersten Zieldurchfahrt kommt nochmal eine 15km-Runde um Urberach, ich fühle mich jetzt wieder richtig gut und könnte vielleicht auch etwas flotter fahren. Allzu weit vor schiebe ich mich aber dann doch nicht, als ich merke, wie einige, die auf einen Schlusssprint bauen, zielbewusst nach vorne drängen. So verläuft die Zieleinfahrt recht unspektakulär, nicht gerade ein „Massensprint“ – man gibt nochmal etwas Gas, will aber den „Sprintern“ lieber nicht ins Gehege kommen. Ich zumindest habe keine Lust, auf den letzten Kilometern noch bei einer Ortsdurchfahrt auf einem rutschigen Kanaldeckel zu stürzen. Ergebnis: 158,3 km in 4:02:40 Stunden, schätzungsweise irgendwo zwischen 40. und 60. Platz von insgesamt 280 Startern, von denen etwa 100-120 im Feld ankommen, der Rest hinter dem Schlusswagen wohl irgendwann später.

So lange warte ich allerdings lieber nicht. Eine Fluchtgruppe von 2 oder 3 hat es anscheinend 2 Minuten früher ins Ziel geschafft – davon bekommt man im Feld nicht viel mit. Ein Motorradfahrer hielt mal ein Schild mit der Aufschrift 1’37“ hoch, aber was das genau bedeutete, wusste ich nicht. Nach dem Ausrollen merkt man, wie ausgekühlt und durchfroren man ist: 1 1/4 Stunden im Regen bei 11 Grad, ohne Jacke, wäre allein wohl nicht so glimpflich abgegangen. Trotzdem zittern die Hände so, dass ich meine Rückennummer nicht selber abmachen kann… Das schlimmste war, hinterher im immer noch – aber nur noch tröpfelnden Regen, mit einer Regenjacke über einem trockenen Pulli, aber nassen Hosen zum Bahnhof in Messel zu fahren (nochmal 13 km). Im Zug aber ging’s dann dank Heizung wieder. Und zuhause kam schließkich die große Euphorie, dass ich’s trotz widriger Umstände mit der Hauptgruppe ins Ziel geschafft hatte. Wenn aber an einer der 2 Abfahrten, wo ich den Anschluss verloren habe, von hinten keiner mehr gekommen wäre… Dann hätte alles ganz anderes ausgehen können.

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